Augenzeugenbericht

Liebe Leser,

ereignisreiche Tage liegen hinter uns. Eine riesige Aktion in Siebenbürgen, in der wir mit Ihrer Hilfe die Kastration von 55 Tieren finanzieren konnten. Unser Vereinsmitglied Steffen war persönlich vor Ort, brachte Sachspenden und half unermüdlich. Er schickte uns auch immer wieder Eindrücke, Bilder, Videos und Sprachnachrichten. Wir haben viele von diesen mit Ihnen geteilt, vor allem auch über unsere SocialMedia-Kanäle. Einige seiner Worte wollen uns auch nicht aus dem Kopf gehen und sollten unbedingt gehört werden. Deshalb teilen wir sie gern mit Ihnen. 

Bitte beachten Sie, dass die Orte in Siebenbürgen in der Regel eine rumänische und eine deutsche Schreib- und Sprechweise haben, das ist geschichtlich bedingt. Seien Sie also bitte nicht irritert, wenn bei Ihrer Recherche andere Ortsnamen auftauchen. 

Anreise, Ankunft und Vorbereitung:

IMG 20211009 WA0003"So ihr Lieben. Ich bin angekommen. Mann das war ein ganz schöner Ritt. Hat aber alles gut geklappt und jetzt gehe ich mal in meinen Stall [Anm.: Unterkunft ist ein umgebauter ehemaliger Stall] und dann werde ich mich mit Anca treffen zur Lagebesprechung. Also das ist schon Wahnsinn, wenn man auch auf den Weg schaut. Ist ein bisschen Zeitreise hier in Siebenbürgen, als wäre alles stehen geblieben."

"Ich hab mich mit Anca getroffen […] sie ist ein klein wenig angespannt. Die Gemeinde kümmert sich wenig - außer Geld, und dann ist immer die Frage, wie alles läuft, wie die Bevölkerung das annimmt. Morgen wollen wir nochmal die Werbetrommel rühren, Plakate aufhängen, mit den Leuten reden, dass sie uns ihre Tiere zum Kastrieren geben."

"Auf der Liste sind derzeit 50 vermerkt. Man hofft, dass viele kurzentschlossen kommen, wenn sie auch sehen, wie gut es läuft. Freitag Samstag will man hauptsächlich die Gemeinde Vanatori machen und die eingemeindeten Ortschaften. Sonntag dann für die Leute aus Saschiz und Viscri. Da ist dann noch die Frage, wie kommen die Tiere da hin. Denn die Bereitschaft der Besitzer ist nicht groß,  die Tiere zu fahren. Wir werden viel Taxi spielen müssen. Also wir werden sehen."

"Das ist das erste Mal, dass das in Vanatori angeboten wird. Immer wenn sowas das erste Mal angeboten wird, weiß man natürlich nicht, wie es angenommen wird. Aber die Gemeinde steht dahinter, das ist ja schon alles andere als selbstverständlich. Sie hat Räumlichkeiten mit Strom und Wasser zur Verfügung gestellt. Wir wollen morgen noch einen Propangasheizer kaufen, damit der Raum auch ein bisschen warm wird."

 

Die Aktionstage:

Anm.: in diesen Tagen war zu viel los für ausführliche Berichte, deshalb konzentrierte sich Steffen darauf, Bilder und Videos für die Dokumentation der vielen kleinen Seelen zu machen und versuchte erst gar nicht, all das in Worte zu fassen. Darum hier nur kurze Ausschnitte.

 

"Guten Morgen. Gleich geht es los. Ich werde abgeholt und dann werden wir versuchen, so viele Tiere wie möglich zu kastrieren."

"Alle Boxen sind zusammen gepackt und der OP-Raum steht. Da warten schon die ersten Hündinnen."

"Wir haben eine kleine Hündin gesehen. Die ist im Moment noch zu ängstlich. Die werden wir später versuchen zu schießen," [Anm.: Mit Hilfe eines Blasrohrs und eines Betäubungspfeils werden besonders ängstliche Tiere, die man sonst nicht einfangen kann, betäubt. So erspart man den Tieren viel Stress und kann sie dennoch behandeln.]

"Wieder drei Hunde mehr!"

"Vorhin kam ein Mann, der hatte sich gestern noch geweigert, wollte gar nicht richtig mit uns reden. Heute kam er mit zwei Hunden und gerade kam sein Schwiegersohn auch noch mit einem Hund, den hat er gleich noch rüber geschickt. Wahnsinn, was Anca hier für Überzeugungsarbeit leistet!"

"So, ich war bei Gerhild und hab die Tiere abgeholt, hat alles sehr gut geklappt. Das sind jetzt die gesammelten Hunde und Katzen aus Viscri."

"Gestern haben wir wieder eine Hündin kastriert, die hat die ganze Zeit gejault, fühlte sich nicht wohl, wollte zurück zu den Welpen, etwas größer. Gekratzt gejault, wollte aus ihrem Käfig. [...] Die Hündin ist raus aus der Box gesprungen, hat mit dem Schwanz gewedelt, sie fühlte sich zuhause angekommen. Sie ist auf der Straße hoch und runter gerannt und dann in den Verschlag hinein und hat sich gefreut."

"Wir haben sie! Wir haben sie. Mensch ich kann's gar nicht glauben. Mircea konnte die ängstliche Hündin schießen!" [Anm.: Die Hündin wurde wie oben beschrieben betäubt, konnte dann behandelt  und später wieder in ihr Gebiet entlassen werden.]

 

Abreise

„Das waren ereignisreiche Tage, das kann ich euch sagen. Und irgendwie ist man platt, das ging gestern Allen so. Wir haben noch gemeinsam Abendbrot gegessen, dann sind Paula und Mircea losgefahren. Und ich hab gefragt ‚‘wann werdet ihr dann in Bukarest sein?‘  ‚Wenn wir Glück haben gegen 3 Uhr früh.‘ Also das muss man sich schon alles mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist ein unglaublicher Einsatz. Kurz vor 10 haben wir die letzten Tiere rausgefahren. Und dann noch alles sauber gemacht und zusammengepackt."

 

Die Tage waren geprägt durch viele Emotionen. Viele Eindrücke stimmten uns nachdenklich und traurig. In manchen Momenten waren wir einfach nur glücklich und es gab auch das eine oder andere Freudentränchen. Wenn zum Beispiel das Einfangen von ängstlichen Notfellchen gelang oder Tiere dann doch unerwartet zur Kastration gebracht wurden.  Es bleibt die Gewissheit, vielen Tieren vor Ort geholfen zu haben. Wir werden diese so wichtigen Kastrationsaktionen auch weiterhin unterstützen.

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