Die Adoption ~ Hühnerankunft Wolfsburg

Die Hühner kommen!  Am 26.06. ist es soweit, Wir fahren nach Wolfsburg zu  einem der vielen Übergabeorte des Vereins Rettet das Huhn e.V. und holen unsere neuen Schützlinge.

In den Stunden vor der Abfahrt herrscht bereits große Aufregung. Futter- und Wasserstellen werden eingerichtet und befüllt. Dabei achten wir darauf, zwei Futter- und drei Wasserstellen möglichst weit voneinander weg im Stall zu platzieren, damit jedes Tier jederzeit dran kommen kann.

Dem Wasser wird ein Calciumzusatz beigemischt, das Futter ist normales Legemehl. Nachdem ich schon vor den riesigen Regalen stand mit gefühlten hundert Möglichkeiten von Legemehl über Pellets über Körner, Hühnermüsli, Einzelkomponenten zum Selbermischen…. entschied ich mich  letzten Endes für ein sehr einfaches gentechnikfreies Legemehl mit vergleichsweise wenig Komponenten in dem Bestreben, dem aus dem Bodenhaltungsbetrieb vertrauten Futter so nah wie möglich zu kommen. Eine Mineralmischung, Grit und eine Tüte Mehlwürmer (für die Bestechung).

Bei den Transportboxen leihen wir uns von den Katzen die Standard-Plastikboxen aus (gut zu reinigen) und legen auf dem Boden alten Teppich aus und darauf ein altes Handtuch. Wenn es dreckig wird, weint dem niemand nach. Bei starker Verschmutzung kann alles abgekocht werden (außer der Tepich, aber der wäre sonst auch zur Entsorgung gewandert). In die Gittertüren der Boxen basteln wir mit ausgekochten Plastikbechern (Frischkäsebecher u.ä.) und Kabelbindern gesicherte Näpfe. Diese werden dann bei Abholung mi Dosenmais befüllt, ein Tipp der Vermittlerin von Rettet das Huhn. So haben die Kleinen Flüssigkeit und Futter mit wenig Gematsche oder dem Risiko, dass es sich der ersten Kurve im gesamten Auto verteilt.

Die Fahrt nach Wolfsburg verläuft ruhig. In Gedanken sind wir ganz bei den Hühnern, die schon einige Hundert Kilometer hinter sich haben von der Ausstallung durch liebevolle Tierschützer statt Leiharbeiter und auf dem Weg in neue Zuhause statt zum Schlachter.

Sie haben großes Glück gehabt verglichen mit ihren vielen Hunderttausenden Mitstreiterinnen jedes Jahr. Und trotzdem reicht es nicht annähernd im Hinblick auf den Albtraum ihres ersten Lebensjahres im Bodenhaltungsbetrieb.

Angekommen beim Übergabeort wird gerade alles vorbereitet. Es läuft sehr ruhig, freundlich, unkompliziert ab. Unter Einhaltung der Abstands- und Coronaregeln treten die Adoptanten an den Tisch und unterschreiben den Schutzvertrag. Eine Schutzgebühr wird nicht erhoben für die Tiere. RdH läuft aber natürlich nur mit hohen Kosten: die Transportmittel, der Sprit, die Boxen, sämtliche Tierarztkosten der von ihnen behandelten Tiere. Eine Spendenbox steht auf dem Tisch, soweit ich es mitbekomme, legt auch jeder etwas hinein. Die Dankbarkeit und der Respekt für die Vermittler und Tierschützer sind deutlich spürbar.

Der Transporter fährt vor, ein aufgeregtes Gemurmel kommt auf. Alle greifen sich ihre Transportbehältnisse treten nach vorn, wollen ihre neuen Schützlinge sehen. Zwei sogenannte Pflegis „steigen“ vorn aus dem Auto in separaten Boxen. Die beiden haben Verletzungen, die behandelt werden müssen, eine große dunkle Wunde am Bein fällt sofort ins Auge.

Die beiden Pflegis und drei weitere Tiere kommen heute mit uns mit. Wir treten mit den Boxen direkt an den Transport heran und die Tierschützer heben die Hennen zügig, aber mit sanften Händen von der einen in die nächste Transportbox.  Die Hennen lassen das mit sich geschehen, sie sind verwirrt, ängstlich, aber nach dem langen Tag und dem noch längeren Jahr einfach zu schlapp, um sich zu wehren. Oder vielleicht merken sie auch, dass diese Menschen hier ihnen nichts Böses wollen.

Mit den Tieren im Gepäck geht es wieder Richtung Heimat. Mitten auf der Fahr fängt eines der Hühner an zu gurren, reagiert auf unsere Worte. Es entsteht ein richtiges kleines Gespräch, zu gern wüsste ich, was sie mir erzählt.

Wir kommen am späten Nachmittag an und entscheiden, die Hühner direkt in den Stall zu setzen und nicht nach draußen zu lassen. In der unbekannten Umgebung würden sie den Stallt wahrscheinlich nicht als sicheren Schlafplatz erkennen und aufsuchen . Auf keinen Fall wollen wir sie durch eine wilde Einfangaktion am Ende des Tages zusätzlich stressen.

Zwei von ihnen verlassen die Boxen selbstständig und schauen sich sofort neugierig um die anderen heben wir heraus, sie brauchen einen Moment, kuscheln sich eng aneinander und beäugen ihre Umgebung eher misstrauisch. Die Wunden der beiden verletzten Tiere sind für heute bereits  versorgt und nachdem wir viel beobachtet und uns versichert haben, dass weder sie selbst noch die anderen daran picken, lassen wir sie alle zusammen im Stall.

Wir wollen sie auch gar nicht allzu lang stören, bewusst, dass wir im Moment ein weiterer Stressor sind. Als wir die Stalltür langsam schließen, sehen wir die ersten Tiere Trinken und fressen, zwei kuscheln sich gemeinsam in ein mit Stroh ausgelegtes Legenest.

Gute Nacht ihr (bald so richtig) Hübschen *Eh-em*

Wir freuen uns schon auf morgen. Darauf, euch bei euren ersten Erkundungen draußen begleiten zu dürfen!

Einen Riesendank und unsere Hochachtung möchten wir dem Team von Rettet das Huhn aussprechen!

Was ihr leistet, ist unbeschreiblich und wir sind euch unendlich dankbar für eure Arbeit und insbesondere für Frieda, Trude, Dori, Kiki und Lieselotte!

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